Beiersdorf eröffnet neues Nivea-Werk in Shanghai – fröhliches Schnüffeln

Um den chinesischen Markt zu erschließen, soll Nivea im vergangenen Jahr 40 Millionen Euro für Werbung und Marketing in China ausgegeben haben. In diesem Jahr sollen laut CIIC noch einmal insgesamt 60 Millionen Euro in den chinesischen Markt fließen.

18 Mio. hat Nivea nach eigenen Angaben in eine neue Produktionsanlage investiert, die heute eröffnet wurde. „Das neue Werk wird höchsten Umweltauflagen gerecht“, betont die Unternehmenskommunikation auf der Internetseite von Beiersdorf in Deutschland. Dass das für das neue Verwaltungsgebäude, das soeben an anderer Stelle der Stadt bezogen wurde, zurzeit  – oder zumindest in der letzten Woche – ganz sicher nicht gilt, erwähnt Beiersdorf nicht.

Die Eröffnung des neuen Werkes hat den Beschäftigten aus dem Verwaltungsgebäude aber heute eine Atempause zur Entgiftung beschert: Zur Eröffnung wurden alle „zur Dekoration“ per Bus zur neuen Fabrik gefahren. Während die wichtigen Leute saßen, durften die Verwaltungsangestellten, die für dieses Vergnügen eine Stunde früher Arbeitsbeginn hatten, die Eröffnung stehend genießen. Zur Belohnung mussten sie dann aber auch nicht am Buffet teilnehmen, sondern wurden hungrig aber sauber verpackt – Dienstanweisung: business dress – zurück in ihr neues Büro in Downtown gefahren.

Das heißt eigentlich nicht IN sonder BIS zu ihrem Büro. Betreten durften sie die Büros nämlich bis zum Eintreffen der Gäste und Manager – die auch dieses Gebäude am späten Nachmittag feierlich und mit großen Gesten eröffneten – betreten also durften die Angestellten ihren Arbeitsplatz nicht – angeblich, um vor der Eröffnung nichts schmutzig zu machen, hatte doch wahrscheinlich ein Heer an Chinesen bis in die frühen Morgenstunden dafür gesorgt, die Spuren des eigentlich noch nicht immer nicht fertigen Innenausbaus des Gebäudes zu beseitigen.
Ob die hochgestellten Beiersdorf-Manager am Montag oder am Dienstag in den Genuss der zwar nicht ganz gesunden aber sicher bei entsprechender Disposition zu Höchstleistungen animierenden Farb-, Lack- und sonstigen Ausdünstungen gekommen sind, ist nicht bekannt. Jedenfalls berichtet Beiersdorf auf der eigenen Webseite nichts darüber. Den Angestellten wurde aber vom Geschäftsführer zu Ehren der Gäste noch einmal ausdrücklich das Tragen von Schutzmasken verboten. 

Es ist nicht auszuschließen, dass die Eröffnungszeremonie dazu führen wird, dass die Verwaltungsangestellten ein paar Sonderschichten einlegen müssen, weil Arbeit liegen geblieben ist. Macht aber nichts: Nivea-Beschäftigte in Shanghai sind daran gewöhnt, gegebenenfalls auch bis 3 Uhr nachts zu arbeiten und kommunizieren auch den Umstand, dass Überstunden in der Regel nicht vergütet werden und auch nicht abgefeiert werden können, sehr zurückhaltend.

Für die Beiersdorf-Chefetage wäre ein Besuch verschiedener Forenseiten der chinesischen Universitäten wahrscheinlich trotzdem recht aufschlussreich. So könnten sie im so genannten BBS der renommierten Fudan-Universität einiges an Hinweisen dafür finden, warum Nivea trotz intensiver Bemühungen an die Erfolge von vor 2005 – als man noch relativ problemlos „High Potentials“ direkt von dem angesehenen Campus ins eigene Unternehmen locken konnte – nicht mehr anknüpfen kann. Die ehemaligen Fudan-Absolventen mögen es eine Weile bei Nivea scheinbar klaglos ausgehalten haben, ihren nachrückenden Kommilitonen wollen sie ähnliche Erfahrungen aber ersparen. Eine der Warnungen hier: Glaubt nicht, dass Nivea ein deutsches Unternehmen ist, die haben uns alle hinters Licht geführt und in ein schreckliches taiwanesisches Unternehmen gelockt.

Die Leute fühlen sich „Shanghaid“.

Ähnlich sieht es übrigens an einer der best angesehenen Wirtschaftsuniversitäten in Shanghai und an anderen Unis aus. Nivea wird die wirklich guten Leute kaum noch überzeugen können, ins Unternehmen zu kommen. Da helfen auch keine riesigen Marketingausgaben oder hoher Besuch aus den Chefetagen mehr. Was hilft es, 60 Mio. Euro in die Produktwerbung zu stecken, wenn die Nivea-Angestellten zur gleichen Zeit für einen einfachen Kugelschreiber einen schriftlichen Antrag ausfüllen müssen, der von drei Abteilungen genehmigt werden muss. Darüber lacht halb China, d.h. eigentlich finden die chinesischen Studenten solche Geschichten gar nicht lustig. Im Gegenteil: Es erschüttert sie zutiefst, weil es ihr Bild von deutschen Unternehmen (völlig zu Recht) grundlegend zerstört. 

Gegen die Macht der Foren, gegen die Lust der stillen Kommunikation der jungen Generation im Internet ist jedenfalls kein Manager-Kraut gewachsen. Wenn Nivea sich in Shanghai nicht bald etwas einfallen lässt, gibt es hier nicht mehr viel zu retten.

Vielleicht hat sich der Geschäftsführer aber gerade deshalb die Sache mit dem Einnebeln der Gehirne der Beschäftigten ausgedacht (siehe vorheriger Blogeintrag). „Wir wollen, dass Sie als unsere Mitarbeiter bei allem was Sie tun, motiviert sind. Also unterstützen wir Sie bei ihrem persönlichen Engagement“, heißt es auf der Beiersdorf-Webseite. Na dann: Fröhliches Schnüffeln. 

 

Die Beiersdorf-Presseinfo mit einem Foto des neuen Werkes und weiteren positiven Nachrichten finden Sie übrigens auf der Beiersdorf-Internetseite (hier klicken).

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