Luft und Spiele

Nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Olympiade in Beijing. Die Chinesen haben die „grünen Spiele“ gut vorbereitet und die Olympiade genutzt, um ein wichtiges Thema weiter zu forcieren. Den Umweltschutz.

China hat nicht erst mit den Vorbereitungen auf die Olympiade den Umweltschutz entdeckt. Die Zentralregierung, die fast ausnahmslos aus ausgebildeten Ingenieuren besteht, und hochrangige Wissenschaftler tüfteln seit langem an Plänen und Aktionen, um die Umweltsituation in China zu verbessern. Die Verantwortlichen wissen, dass die Umweltprobleme dem Reich der Mitte mittelfristig jedweden Wirtschaftsaufschwung zu Nichte machen werden, wenn sie nicht gegensteuern. Nicht zuletzt deshalb haben die Chinesen den Umweltschutz offiziell zum Staatsziel erklärt.

Und auch wenn China noch weit von flächendeckendem und effizientem Umweltschutz entfernt ist, gibt es keinen Bereich in dem sich nicht etwas bewegt. Die Olympiade, für die Beijing „grüne Spiele“ versprochen hat, steht ganz im Zeichen dieser Entwicklung. Der Umweltschutz soll zum Prinzip werden – und die Olympiade soll helfen, diesen Gedanken in die Köpfe aller Chinesen zu tragen.

Noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte das Motto wohl eher nach römischen Vorbildern „Brot und Spiele“ geheißen – Millionen Chinesen hatten seinerzeit noch reichlich damit zu tun, täglich satt zu werden. Heute lautet das Motto eher „saubere Luft und Spiele“ und die Olympiade wird nicht – zumindest nicht nur – „zur Beruhigung“ an das Volk verabreicht, sondern zur gleichen Zeit als „Aufputschmittel“ eingesetzt, um etwas im Bewusstsein zu verändern.

Wie sehr die meisten Chinesen inzwischen bereits dem Umweltschutzgedanken zugetan sind, lässt sich etwa an der Zustimmung zum Verbot von kostenlosen Plastiktüten ablesen, das seit Juni in Kraft ist. Zumindest in Shanghai haben die meisten dieses Verbot nicht einfach nur hingenommen, sondern ausdrücklich begrüßt. Und immer mehr Chinesen greifen zum Stoffbeutel und zum Einkaufskorb. Vor allem die jungen Chinesen wollen den Umweltschutz – und sie sind bereit, dafür zu zahlen und aktiv zu werden.

Und auch wenn westliche Journalisten, solche Aktionen als „symbolischen Taten“ abwerten, wie etwa Astrid Maier in der FTD, ist ohne jeden Zweifel jede nicht verbrauchte Plastiktüte ein Gewinn für die Umwelt. Gerade in China: Bis zu 1 Milliarde Plastiktüten sind vor dem Verbot täglich über die Ladentheken und dann in den Müll gewandert, mindestens 1300 Tonnen Öl wurden nach offiziellen Schätzungen verbraucht, um die Tüten zu produzieren – täglich! Ein Verbot, eine symbolische Aktion? Wohl eher muss sich „symbolischen Journalismus“ vorhalten lassen, wer so etwas schreibt.

Dennoch: Nur wenn die Chinesen an dem eingeschlagenen Kurs festhalten und den Umweltschutz in allen Bereichen weiter stärken, wird sich mittelfristig etwas an der Umweltsituation in China ändern.

Noch gibt es viel zu viele Problembereiche, um von systematischem Umweltschutz in China zu sprechen. Immerhin scheint sich aber das Tempo in dem neue Probleme auftauchen, zu verlangsamen und in allen Bereichen bewegt sich etwas. Der Anfang ist gemacht. Und „Luft und Spiele“ sind sicher auch für die Zukunft ein gutes Rezept – gerade für die „spielsüchtigen“ Chinesen.

Jo Klein

Schreibe einen Kommentar