Wer im Glashaus sitzt …

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Die Berliner Morgenpost lernt es einfach nicht: Erst am vergangenen Sonntag hat der China-”Spezialist” des Blattes, Johnny Erling,  - der auch für die “Welt” aus Peking berichtet und als “excellenter Kenner” Chinas gilt - wegen der Berichterstattung aus China und einer in diesem Zusammenhang “schlecht recherchierten” Bildunterschrift  kräftig zurückrudern müssen. Die Bildunterschrift zum Artikel vom 17. März ist inzwischen korrigiert und lautet jetzt:
“Eine Szene aus der tibetischen Stadt Lhasa: Nach Angaben der staatlich kontrollierten chinesischen Medien wird hier ein Chinese vor Aufständischen in Sicherheit gebracht. Die Nachrichtenagentur AFP dagegen berichtete, der junge Mann werde “gewaltsam” durch eine Straße geführt.” Die Quellenangabe der BM: “Foto: REUTERS”
Dass die Morgenpost die - ja was? Demonstranten? Randalierer? Aufrührer? - unbedingt als “Aufständische” bezeichnen will, mag ja noch angehen, weil die politischen Verhältnisse diesen Schluss nahelegen können, bleibt aber trotzdem nicht mehr als eine Vermutung solange es nicht erwiesen ist. Kaum denkbar ist aber, dass die chinesischen Medien diesen Begriff benutzt haben, wie die BM in der Bildlegende behauptet. Die offiziellen chinesischen Kanäle sprechen meistens von “Saboteuren” (auch ein netter Begriff …). Der Rest der Bildunterschrift ist allerdings  nichts anderes als bewusste Irreführung und Manipulation des Lesers.

Johnny hat uns in seinem Artikel am Sonntag (23. März) ausführlich erklärt, dass Reuters das Foto als Standbild aus dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV kopiert hat, was angesichts der Bildunterschrift und dem Verweis auf die Angaben der staatlich kontollierten Medien nicht ganz unerheblich ist. Dennoch wird - wider besseren Wissens - als einzige Quellenangabe Reuters angegeben. Und zur Krönung des ganzen wird nicht nur mit der Bildunterschrift der Eindruck erweckt, die Nachrichtenagentur AFP habe andere Informationen zum Inhalt des Bildes, was aber auch nicht stimmt, sondern auch die eigentlich naheliegende Reuters-Bildunterschrift unterschlagen, die davon spricht, dass der Mann “eskortiert” werde. Die Agentur AFP kommt aber mit ihrem Begleittext zum Bild offensichtlich dem subjektiven Empfinden, der persönlichen Meinung, oder der Absicht des Autors näher.  Nur jemand, der sich mit Zensur und Propaganda  auskennt, denkt sich etwas Böses dabei … Mit seriösem Journalismus hat das jedenfalls nichts zu tun. Wer im Glashaus sitzt …  Jo Klein

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