Luxus Wärme

Es ist kalt in China. In manchen Gebieten auch saukalt. Bei derzeit 4 bis 2 Grad Celsius in Shanghai, kommt bei mir im Schlafzimmer morgens wenig Freude auf, wenn der Wecker klingelt. Im Bett ist es dank der Gänsedaunendecke schön kuschelig, aber wenn ich den Fuß aus dem Bett strecke, könnte mich allenfalls noch ein bereits gebuchter Flug nach Sanya auf der Insel Hainan aus den Federn locken. In der Wohnung ist es nämlich genauso „warm“ wie draußen – eigentlich könnte ich auch auf dem Balkon schlafen.

Das Problem ist, dass es in Shanghai im Allgemeinen keine Heizungen gibt. Wenn überhaupt spendet allenfalls die Klimaanlage etwas Wärme – und das ist aus nachvollziehbaren Gründen nur eine Not-, keinesfalls aber eine Dauerlösung. Ein Heizlüfter sorgt deshalb in meinem Arbeitszimmer dafür, dass ich nicht an der Tastatur meines Computers festfriere. Ansonsten gilt: Es gibt keinen Unterschied zwischen Drinnen und Draußen, Winterjacke und Thermohose sind meine ständigen Begleiter.

Dabei habe ich noch Glück: Auf dem chinesischen Festland hat mancherorts heftiger Schneefall eingesetzt und die Temperaturen sind in den letzten Tagen so stark gesunken, dass sich die Regierung genötigt sieht, die regionalen Behörden an die Sicherheit und das Interesse der Bevölkerung sowie die öffentliche Ordnung erinnern zu müssen. Bei minus 24 und weniger Grad Celsius fallen bereits angeschlagene Infrastrukturen wie Wasser- und Energieversorgung oder Telefone schon mal gerne ganz aus. Die Regierung verlangt deshalb von allen Regionen, rechtzeitig etwaige Notmaßnahmen zu befolgen und „so schnell wie möglich“ alle defekten Anlagen in den Bereichen Wasserversorgung, Energieversorgung, Heizung, Gaslieferung und Telekommunikation zu reparieren. Wann so schnell wie möglich sein soll, ist nicht festgeschrieben. Zusätzlich soll finanzielle Unterstützungen für jene Regionen bereitgestellt werden, die besonders stark von den Schneefällen betroffen sind. Ob etwa die Farmer in den betroffenen Regionen deshalb besser aus den Federn kommen als ich, wage ich zu bezweifeln. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Kälte ihr einziges Problem bleibt.

Anderen scheint die Kälte nicht so viel auszumachen. So hat die Nachrichtenagentur Xinhua gestern Bilder von Angehörigen der Bewaffneten Polizei um die Welt geschickt, die mit nacktem Oberkörper im Schnee trainiert haben. Beeindruckend – aber so kalt, dass ich mich zu solchen Rambo-Übungen hinreißen ließe, kann mir gar nicht sein. Ich besuche dann schon lieber meinen Kollegen in Shanghai. Der hat deutsches Bier und eine Fußboden-Heizung. Da lässt sich der Luxus Wärme trefflich genießen.

Härtetraining

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