Es ist noch nicht vorbei
Es ist noch nicht vorbei. Jede Nacht knallt es irgendwo. Im Moment bin ich in Chungqing, vom Balkon meiner Unterkunft in der 12. Etage eines Wohnhauses sehe ich, dass nicht nur in unmittelbarer Umgebung immer wieder irgendjemand noch ein paar Böller und Raketen findet, die er mit lautem Getöse ihrer Bestimmung überlässt – überall in der Stadt blitzt es immer wieder auf. Und wenn man es nicht sieht, dann hört man es. Denn die chinesische Bauweise und besonders die Fenster sind nicht eben zum Schallschutz erfunden.
So verbringe ich denn die ersten Minuten im Bett regelmäßig damit, auf die erste „Feuerpause“ zu warten, um einschlafen zu können. Wecken kann mich danach so gut wie nichts mehr, denn Lärm ist in chinesischen Städten so selbstverständlich wie die Reisfelder auf dem Land – und lässt auch nachts nur unwesentlich nach.
Eine andere, für deutsche Augen äußerst gewöhnungsbedürftige, Erscheinung chinesischer Städte ist der allgegenwärtige Schmutz. Gerade in diesen Februartagen, die oft grau und ungemütlich sind, machen die Städte einen dreckigen, ja manchmal geradezu heruntergekommenen Eindruck.
Nicht selten fühlte ich mich auf merkwürdige Art an die Filme über den „Wilden Westen“ erinnert, wenn ich über Schlamm verkrustete Straßen in Xingwen ging. Und auch hier in Chungqing gibt es Momente, in denen ich mich nach der - manchmal von mir als übertrieben empfundenen - deutschen Reinlichkeit sehne. Ich erinnere mich an einen Nachbarn in Essen, der jährlich mit einer Leiter, einem Gartenschlauch und einem Schrubber ausgerüstet, seiner Hausfassade zu Leibe rückte – sehr zu meinem Vergnügen, wie ich hier einräume. Und nun ertappe ich mich dabei, dass ich denke, „dieses Haus könnte mal eine Wäsche brauchen“.
Andererseits hat aber auch der Jahresanfang in China schöne und sonnige Tage zu bieten. Und das Leben erscheint überall wesentlich freundlicher, wenn die Sonne scheint – zumindest gilt das für mich. Und so habe ich denn bei schönem Wetter ein paar sehenswerte Ecken in diesem Land gesehen. Darunter den Geopark bei Xingwen in Sichuan, der zu den globalen Geoparks der Unesco gehört und die Grotten bei Dazu, die mit ihren einzigartigen Steinskulpturen 1999 in die Liste des Welterbes der Unesco aufgenommen wurden.
Auch die Städte erscheinen bei Sonnenschein natürlich gefälliger, und der Blick bleibt weniger am Dreck hängen, als an den vielen Menschen, die sich bemühen, den Schmutz in den Griff zu bekommen. (Wann etwa sieht man in Deutschland schon jemanden den Standstreifen einer Schnellstraße fegen?)
Die Chinesen wissen um ihre Probleme im Umweltbereich (der Schmutz gehört da noch zu den kleinsten Herausforderungen) und arbeiten mit Hochdruck daran – auch mit deutscher Hilfe. So wollen China und Deutschland etwa in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong, gemeinsam fünf Windturbinen mit einer Leistung von fünf Megawatt pro Turbine bauen. Die Turbinen sollen als Energielieferant für die maritimen Veranstaltungen der Olympiade 2008 dienen, die in Qingdao abgehalten werden. Und das ist nur eines von vielen Projekten.
Die chinesische Regierung hat sich eine erhebliche Verbesserung des Umweltschutzes in den kommenden Jahren vorgenommen und will nach Angaben des chinesischen staatlichen Umweltschutzamts zwischen 2006 und 2010 1,3 Bio. Yuan (133,4 Mrd. €) in den Umweltschutz investieren. Gerade in diesem Bereich ist deutsches Ingenieur-Know-how gefragt, das hier in vielerlei Beziehung als weltweit führend gilt. Also meine Herren Ingenieure in Deutschland: Wenn Sie in Deutschland (angeblich) nicht mehr gebraucht werden, hier gibt es viel Arbeit für Sie. Es ist noch nicht vorbei!