Ein Volk auf Reisen
Obwohl viele Chinesen körperliche Ertüchtigung nicht unbedingt lieben, ist Bewegung in China eher die Regel, als die Ausnahme – und zwar in jeder Beziehung. Aber es gibt bekanntlich keinen Normalzustand, der sich nicht auch von Zeit zu Zeit steigern ließe. Was in China mit schöner Regelmäßigkeit auch geschieht.
Der 29., 30. und 31. Januar sind Feiertage in China. Die Chinesen feiern das neue Jahr (oder auch das Frühlingsfest) nach dem Mondkalender. Das heißt, dass die meisten Chinesen eine Woche frei haben – und viele zusätzlich ihren Urlaub nehmen.
Für die Chinesen ist das Frühlingsfest etwa mit unserem Weihnachtsfest vergleichbar. Wer irgendwie kann, feiert mit seiner Familie – und legt dafür zum Teil riesige Entfernungen zurück. Das bedeutet, dass bereits vor dem Neujahrsfest eine rege Reisetätigkeit einsetzt.
Ein Volk auf Reisen: Während der Reisezeit zum diesjährigen Frühlingsfest vom 14. Januar bis zum 22. Februar werden nach einer staatlichen Schätzung in China statistisch gesehen rund 2,042 Milliarden Menschen unterwegs sein. 144 Millionen Bahnreisende werden erwartet, 1,8 Milliarden Menschen werden mit Bussen und Pkw unterwegs sein und 15 Millionen per Flugzeug zu ihren Familien zurückkehren (womit der Rest reist, sagt die Statistik nicht). Das stellt die Transport- und Reiseunternehmen des Landes regelmäßig vor riesige logistische Herausforderungen – die die Chinesen aber offensichtlich Jahr für Jahr aufs neue meistern, denn die Zahl der Reisenden nimmt in jedem Jahr weiter zu. Zusätzliche Züge, Busse, Schiffe und Flugzeuge sorgen dafür, dass jeder Chinese sein Ziel pünktlich zum Neujahrsfest erreicht – und später wieder an seinen Studien- oder Arbeitsort zurückkehren kann.
Ich werde mich am 22. Januar dem allgemeinen Reisfieber anschließen und in die Provinz Sichuan reisen. Mein Notebook nehme ich mit. Ein bisschen Bewegung kann uns beiden nicht schaden, denn für uns ist das eher die Ausnahme – rein sportlich betrachtet, versteht sich.