Fleißige Chinesen

China ist ein Paradies, könnte man glauben, wenn man manche deutsche Manager so reden hört – zumindest ein Arbeitgeberparadies.  Die Chinesen arbeiten viel mehr, als die Deutschen, heißt es zum Beispiel. Was irgendwie stimmt – und irgendwie auch wieder nicht.  

Zumindest in den Staatsbetrieben und den internationalen Unternehmen gilt die 40-Stunden-Woche und vor vielen Jahren hat die chinesische Regierung den Beschäftigten einen zweiten freien Tag in der Woche geschenkt. So ist auch hier in der Regel das Wochenende zwei Tage lang und frei.  

Auch die chinesischen Ingenieure arbeiten in der Regel 40 Stunden pro Woche – die meisten nur ungern mehr. Die Familie ist wichtig in China, und wer es sich leisten kann, verbringt seine Zeit mit ihr.  

Mit 15 und weniger Tagen haben die Chinesen aber deutlich weniger Urlaub als die Deutschen. Dafür gibt es mit 10 gesetzlichen Feiertagen in China nur einen Tag weniger als in NRW und sogar einen Tag mehr als in Hessen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die chinesischen Feiertage, abgesehen vom 1. Januar, immer in einem Block von drei Tagen anfallen und die Betriebe für jeweils eine Woche dicht gemacht werden. Die zusätzlichen freien Tage werden an den Wochenenden vor und nach den Festwochen wieder herausgeholt. Derzeit diskutiert die chinesische Regierung die Einführung von zwei weiteren Feiertagen. 

Andererseits werkeln die Chinesen irgendwie immer vor sich hin. Die vielen kleinen Dienstleistungsunternehmen hier kennen zum Beispiel kein Wochenende. Viele der Inhaber wohnen in ihrem Betrieb – das ist wörtlich zu nehmen – der eigentlich immer geöffnet ist (was natürlich nicht heißt, dass sie dann auch immer arbeiten).  Es gibt aber auch keine gesetzliche Regelung, die ihnen vorschreibt, wann ihre Kunden ihre Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen haben. 

Und während man in Deutschland das Renteneintrittsalter weiter heraufsetzt, gehen die Chinesen nach Angaben der Regierung derzeit im Durchschnitt mit 51,2 Jahren in den Ruhestand. Eine Änderung des Renteneintrittsalters ist vorläufig nicht geplant. Natürlich gilt das nur für die Chinesen, die überhaupt Rentenansprüche haben. Wie überhaupt in China gilt, dass man nichts verallgemeinern kann – auch nicht, dass die Chinesen mehr arbeiten als die Deutschen.  

Für Menschen, die gern täglich neues entdecken und denen es in Deutschland davor graust, schon am Abend zu wissen, was Politiker oder Industrievertreter am nächsten morgen im Radio fordern werden, stimmt es deshalb: China ist ein Paradies.

Leave a Reply