Santa Claus rides BMW

In Shanghai ist nicht vieles besser, aber fast alles anders. Die Chinesen sind, wie bereits berichtet, in der Lage, so ziemlich alles in rasender Geschwindigkeit zu übernehmen – und zunehmend auch zu verbessern –, aber die Kopierfreude hat doch auch Grenzen. So wird in China zwar Weihnachten (klein) gefeiert, der  Weihnachtsmann - hier unter dem Namen Santa Claus bekannt – bleibt aber Ausländer.  

Wo immer ein künstlicher Santa Claus, von Weihnachtsliedern und bunten Lämpchen begleitet, meine Kauflust anregen soll, hat er eine rote oder blasse Knolle als Nase im Gesicht und einen gemütlichen Bauch, niemals aber ein chinesisches Antlitz.  

So viel Respekt vor westlichen Traditionen verpflichtet. Und so macht sich eine kleine Truppe ausländischer Manager, Unternehmer und Angestellter seit Jahren im Dezember auf, die Kinder in Shanghai mit Süßigkeiten zu bescheren. Zum eigenen Vergnügen – und deutlich sichtbar auch zum Vergnügen der Chinesen – starteten am vergangenen Wochenende acht liebevoll gepflegte chinesische Kopien alter BMW-Seitenwagenmaschinen zum „Santa Claus Ride“ durch Shanghai, besetzt mit jeweils zwei Weihnachtsmännern. Wo immer die Kolonne mit den donnernden Gespannen auftauchte, erregte sie fröhliche Aufmerksamkeit – bei den Ordnungskräften bisweilen auch humorige Ratlosigkeit.  

Es ist erstaunlich, wie viele Chinesen ständig eine Digitalkamera oder doch zumindest ein Foto-Handy dabei haben. Jedenfalls ist jetzt hundertfach dokumentiert: Santa Claus rides BMW – zumindest in Shanghai. Und da ist eben alles anders. JO KLEIN

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